Schutzhundesport

Der Schutzhundesport ist die Hundesportart mit der längsten Geschichte, hat aber auch sehr viele Kritiker. Schutzhundesport wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts betrieben, die erste Meisterschaft fand 1906 in Deutschland statt.

Der martialisch anmutende Einsatz des Hundes beim Schutzdienst ist einer der Gründe dafür, dass viele Hundefreunde vermuten, die Hunde würden durch Schutzhundetraining scharf gemacht werden. Außerdem mangelte es vielen Ausbildern, noch bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein, an kynologischem Fachwissen. Zwang und harter Drill galten damals noch als ein probates Mittel, den Hunden das gewünschte Verhalten zu vermitteln. Zu Recht haben diese Ausbildungsmethoden ebenfalls zu Kritik geführt.

In den letzten dreißig Jahren hat sich die Art der Ausbildung aber grundlegend gewandelt. Erfolge und Fortschritte beim Training eines Schutzhundes werden heute durch Ausnutzung der natürlichen Triebanlagen des Hundes und durch Konditionierung erzielt.

Die Prüfung eines Schutzhundes wird seit 2012 als IPO-Prüfung (Prüfung nach der internationalen Prüfungsordnung) bezeichnet. Vorherige Namen waren VPG (Vielseitigkeitsprüfung) und SchH (Schutzhundeprüfung). Der Prüfungsablauf hat sich in den letzten Jahren nur geringfügig verändert. Eine Prüfung ist in die drei Abteilungen Fährtenarbeit (A), Unterordnung (B) und Schutzdienst (C) unterteilt. Seit einigen Jahren ist es auch möglich, eine Prüfung in nur einer der Abteilungen abzulegen. Damit ein Ausbildungskennzeichen (IPO I, IPO II, und IPO III) zuerkannt wird, muss das Mensch-Hund Team in jeder Abteilung mindestens 70 von jeweils 100 Punkten erreichen. Vor jeder Prüfung überprüft der Leistungsrichter anhand der Chipnummer die Identität sowie die Unbefangenheit des Hundes. Aggressive oder überängstliche Tiere werden sofort von der weiteren Prüfung ausgeschlossen.

Die Fährtenarbeit

Die Fährtenarbeit im Hundesport hat keinen praktischen Hintergrund, wie etwa das Training von Rettungs- oder Jagdhunden. Der ausgebildete Sporthund wird sich bei der Fährtensuche fast ausschließlich an der Bodenverletzung orientieren, die beim Legen der Fährte entsteht. Diese Bodenverletzung wird durch das Auftreten auf organische Böden verursacht. Durch den Zersetzungsprozess wird dann, durch abgeknickte Pflanzenteile und zertretenen Kleinstlebewesen, sehr schnell ein Fäulnisgeruch freigesetzt.

Bei jungen und untrainierten Hunden wird in jeden Tritt der Fährte ein kleines Stück Futter gelegt. So stellt der Hund, im Verlauf von einigen Dutzend Trainingseinheiten, eine positive Verknüpfung mit dem Futter und dem Eigengeruch der Fährte her. Das Futter wird dann nach und nach reduziert, wird aber im Training fast immer eingesetzt, um den Hund für seine Arbeit zu belohnen. Bis ein Hund in der Lage ist, die erste Fährte bei einer Prüfung abzusuchen, sind mindestens 100 Übungseinheiten nötig.

Abhängig von der Prüfungsstufe, unterscheiden sich die Fährten in der Länge (300 Schritte-600 Schritte), in der Anzahl der Winkel (2-4) und der Schenkel (3-5) sowie in der Liegezeit (20 min. bis 45 min.). In der Prüfungsstufe I wird die Fährte noch vom Hundeführer gelegt, in der IPO II und III von einem anderen Fährtenleger. Der Unterschied für den Hund ist dabei zu vernachlässigen, der Hundeführer muss sich bei einer Fremdfährte aber ganz auf seinen Hund verlassen.

Auf den Fährten werden Gegenstände (ca. 10cm lange und 2,5cm breite Stücke aus Holz, Stoff oder Leder) ausgelegt, die der Hund durch das so genannte Verweisen anzuzeigen hat. Dies kann durch apportieren des Gegenstandes erfolgen, allgemein üblich ist es jedoch, dass der Hund den Gegenstand anzeigt, indem er sich davor ablegt. Auch das Verweisen wird mit Bestätigung durch Futter antrainiert.

Bei den Fährtenhundeprüfungen (FH I und FH II) werden an die Teilnehmer besonders hohe Anforderungen gestellt. Die Fährten sind hier bis zu 1800 Schritte lang, haben eine Liegezeit von drei Stunden und werden durch Verleitungsfährten gekreuzt.

Die Unterordnung

In allen drei Prüfungsstufen wird die Unterordnung mit frei folgendem Hund vorgeführt. Dabei sollte der Hund immer freudig und dicht an der linken Seite seines Hundeführers laufen. Nach einem festgelegten Ablauf, müssen die Teams verschiedene Übungen absolvieren. Dazu gehören immer:

  • Ablegen unter Ablenkung: Der Hund liegt an einem bestimmten Platz, während ein zweites Team den geforderten Ablauf vorführt. Der Hundeführer ist mindestens 30 Schritte von seinem Hund entfernt. In der Stufe III ist der Hundeführer für seinen Hund nicht sichtbar.
  • Freifolge durch eine Gruppe: Die Teams durchlaufen eine Gruppe von vier Personen. Der Hund hat sich auch hier, nur auf seinen Hundeführer zu konzentrieren.
  • Sitz und Platz aus der Bewegung: Auf Kommando hat sich der frei folgende Hund, sofort zu setzen oder abzulegen. Der Hundeführer muss, ohne Blickkontakt zu seinem Hund aufzubauen, in unveränderter Gangart weitergehen. Wurde der Hund abgelegt, wird er anschließend abgerufen.
  • Apportieren: Der Hund hat seinem Hundeführer auf Kommando ein Apportierholz zu bringen. Diese Übung muss auf ebener Erde, über eine Meterhürde, und über eine Kletterwand ausgeführt werden.
  • Voraus senden mit Ablegen: Auf Kommando hat sich der Hund, in gerader Richtung schnell zu entfernen und sich dann, auf ein weiteres Kommando, abzulegen.

In den Prüfungsstufen II und III wird zusätzlich die Übung »Steh aus der Bewegung« gefordert. In der Stufe III müssen die Übungen »Platz« und »Steh« aus dem Laufschritt heraus gezeigt werden.

Zeigt ein Hund Scheu vor seinem Hundeführer oder ist es offensichtlich, dass er unter zu hohem Stress steht, wird das Team disqualifiziert.

Der Schutzdienst

Der Schutzdienst ist die Abteilung, die wohl für die meisten Vorurteile gegenüber dem Schutzhundesport sorgt. Außenstehende sehen meist nur, wie ein Hund einen Mann mit Schutzarm und Schutzhose beißt und nehmen an, die Hunde wären trainiert, auf Kommando Menschen anzugreifen. Dabei wird übersehen, dass der ausgebildete Schutzhund nur an der Beute, nämlich dem Schutzarm, interessiert ist. Unter Ausnutzung des Beutetriebs, wird dieses Verhalten schon jungen Hunden antrainiert. Es kommt nicht selten vor, dass der Schutzdiensthelfer (auch Figurant oder Scheintäter) ebenso der Ehemann einer Hundeführerin ist. Manche Hundeführer trainieren gewisse Abschnitte des Schutzdiensts, wie beispielsweise das Verbellen, mit ihren Hunden sogar, indem sie selber als Schutzdiensthelfer fungieren. Vorrangiges Ziel einer Schutzdienstvorführung ist es zu zeigen, dass der Hund auch in einer Belastungssituation unter der Kontrolle seines Hundeführers steht.

Wie bei der Unterordnung, ist der Ablauf eines Schutzdiensts genau festgelegt. Ein Großteil der Bewertung wird außerhalb der Beißphasen vorgenommen. Lässt der Hund, nach dreimaligem Kommando, nicht vom Schutzarm ab oder bekommt er den Scheintäter an einer anderen Stelle, als den Schutzarm zu fassen, hat das den sofortigen Abbruch der Vorführung und die Disqualifikation zur Folge.

Kategorie: Hundesport

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